Seminare

LeseLunch

LeseLunch ist eine Kooperation des Gasthörendenstudiums an der Leibniz Universität Hannover mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover und der Akademie Literatur und Leben.

Leitung: Dr. Sabine Göttel
Termine im WiSe 2022/2023 (jeweils 11.30-13.00 Uhr):

16.11. Ingo Siegner
23.11. Hannelies Taschau
07.12. Marco Sagurna
21.12. Selene Mariani

Anmeldung: info@ghs.uni-hannover.de

Dieses Seminar widmet sich den Basics der Literaturwissenschaft: Autor, Text und Leser. In Lesung und Gespräch geben hannoversche Autorinnen und Autoren aller literarischen Gattungen Einblicke in ihre Schreibwerkstatt und stellen sich Ihren Fragen. Wir erfahren, wie sie zu ihren Einfällen kommen, welchen Weg die literarische Idee zum fertigen Buch zurücklegt, welche Aufgaben zu lösen und welche Krisen zu überwinden sind. Wir erfahren aber auch von den Glücksmomenten, die sich beim Schreiben einstellen. Und wie nebenbei entschlüsseln sich im persönlichen Gespräch die Besonderheiten der gewählten literarischen Form: Gedicht, Roman, Erzählung, Drama. – Der LeseLunch startet mit einer kurzen Einführung in Leben und Werk des Gastautors. Auf die Lesung aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Werken folgt ein Gespräch mit den eingeladenen Autorinnen und Autoren.

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Akademie Literatur und Leben
Akademisches Jahr 2022/2023

Dr. Sabine Göttel
„… wie der Bogen einer Geige“. Literatur und Musik

Seminar in drei Trimestern vom 25.04.2022 – 23.01.2023
Weitere Informationen und Anmeldung unter
www.literaturundleben.de

Am Anfang war das Wort – oder doch die Musik? „Womöglich ist in der Geschichte unserer Menschwerdung das Singen älter als das Sprechen. Musik als das prähistorische, das vorlogische Dasein des unentfalteten Gedankens. Vielleicht war unser erstes Reden ein Singen, ein Knurren, ein Heulen, ein Wimmern, ein Jauchzen“, mutmaßt der Liedermacher und Dichter Wolf Biermann in seinen Düsseldorfer Vorlesungen, einer Poetik in acht Gängen. Tatsache ist, dass Literatur und Musik im Prozess der Zivilisation eng verbunden waren und es bis heute sind. Im antiken Griechenland trug man Dichtung vor, indem man sich selbst mit einer Lyra – einem Saiteninstrument zum Zupfen – begleitete. Sie wurde später zum Symbol der Dichter und stand Pate für die Gattung Lyrik. Gerade lyrische Dichtung setzt auch ohne Begleitung durch ein Instrument auf die der Sprache innewohnende Melodie: auf Vers, Reim und Rhythmus: „Ein gelungenes Gedicht singt sozusagen selber und braucht keine Musik“, so Wolf Biermann.

Wir nähern uns dem kreativen Dialog zwischen Literatur und Musik, Text und Ton, indem wir im ersten Trimester zwei berühmte Komponisten in zeitgenössischen Romanbiografien kennenlernen. Robert Seethaler imaginiert in seiner 2020 erschienenen Erzählung Der letzte Satz die letzten Lebensmonate Gustav Mahlers (1860-1911), während der britische Autor Julian Barnes in seinem Roman Der Lärm der Zeit aus dem Jahr 2016 dem Verhältnis von Kunst und Macht im Leben des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) nachspürt: „Ein Roman ist wie der Bogen einer Geige und ihr Resonanzkörper wie die Seele des Lesers“, schrieb der französische Autor Marie-Henri Beyle, alias Stendhal.

Im zweiten Trimester geht es um die wechselseitige Inspiration von Literatur und Musik in Liedern und Chansons, Songs und Schlagern. Das deutsche Kunstlied des 19. Jahrhunderts etwa führte bekannte AutorInnen und KomponistInnen in anspruchsvollen Vertonungen von Texten und Gedichten zusammen – Franz Schubert und Wilhelm Müller in den Liederzyklen Die schöne Müllerin (1823) und Winterreise (1827) oder Fanny Mendelssohn und Heinrich Heine. Das literarische Kabarett der Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts bereicherten Autoren-Komponisten-Duos wie Kurt Tucholsky und Hanns Eisler. Elf Jahre Auftrittsverbot lagen hinter dem Dichter und Sänger Wolf Biermann, bevor er 1976 wegen seiner poetisch-kritischen Lieder aus der DDR ausgebürgert wurde; der Literaturnobelpreis 2016 ging an den amerikanischen Rock-Sänger und Poeten Bob Dylan. Angeregt durch Friedrich Carl Delius‘ autobiografische Novelle Die Zukunft der Schönheit (2019) erstellen die Teilnehmerinnen eigene Texte über Lieder, Chansons und Songs, die ihr Leben geprägt haben.

Das dritte Trimester widmen wir einem epochalen Versuch, Musik mit Sprache wiederzugeben: Thomas Manns Künstler- bzw. Gesellschaftsroman Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde (1947). Dieser vielschichtige Text – Lebensbeichte, Parodie und kunsttheoretischer Essay zugleich – setzt sich zugleich mit den kulturhistorischen und geistesgeschichtlichen Wurzeln des Faschismus auseinander.

Exkursion
Am 19. oder 20.05.2022 besuchen wir gemeinsam ein Konzert der NDR Radiophilharmonie im Großen Sendesaal des NDR Funkhauses in Hannover. Das Programm:
Dmitrij Schostakowitsch: Violoncellokonzert Nr. 1 Es-Dur op. 107
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 4 G-Dur
Dirigent: Marc Albrecht
Eine höchst spannende Gegenüberstellung! Mahler und Schostakowitsch sind wahrlich Komponistenbrüder im Geiste. Ihre bevorzugten stilistischen Mittel sind Humor, Ironie und Groteske.