Sabine Göttel  
 
 
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Literatur und Musik

Zuhören, Mitdenken und Genießen: Lesungen und Vorträge zu ausgewählten Kapiteln der Literatur- und brisanten Themen der Zeitgeschichte - kompetent, kurzweilig und verständlich – auch mit musikalischer Begleitung. "Literatur und Musik" richtet sich an Zuhörerinnen und Zuhörer jeden Alters, an Institute für Erwachsenen- und Weiterbildung sowie an Senioren- und Freizeitheime, aber auch an interessierte Privatpersonen. Unkomplizierte Organisation und Terminvereinbarung sind garantiert.

 
     
   
     
 
   
 
 
     
     
 

PROGRAMM



DER STOFF, AUS DEM DIE TRÄUME SIND
William Shakespeare

William Shakespeare (1564-1616) – Dichter, Schauspieler und Theaterunternehmer in Personalunion - gilt als einer der einflussreichsten Autoren der westlichen Welt. Keiner hat das Menschenbild der Neuzeit in der Literatur stärker geprägt als er, der "Erfinder des Menschlichen". Seine Werke bevölkern knabenhafte Frauen und ängstliche Männer, eifersüchtig Liebende und zweifelnde Rächer, renitente Kinder und schwache Ehemänner, kriminelle Herrscher und rebellierende Clans; allesamt widersprüchliche, zerrissene, komplexe Individuen – moderne Menschen wie du und ich. Als erster bereicherte er die Tragödie mit handfesten, komödiantischen Elementen und erzählte in der Komödie Geschichten von Schuld und Tod. Das Theater verstand er als Chronik des Zeitalters und Spiegel der Seele: Schauspieler sind Stoff, aus dem die Träume sind, und die Welt, so heißt es in Wie es Euch gefällt, ist Bühne, auf der jeder ein Leben lang viele Rollen spielt. - Sabine Göttel nähert sich der Magie des Shakespeareschen Kosmos - unterstützt von Lautenklängen aus der Renaissance.


WAR SHAKESPEARE EIN ITALIENER?

In seinem faszinierenden Werk beschwor William Shakespeare (1564-1616) die Rätselhaftigkeit des Menschen. Dabei ist er bis heute selbst ein Rätsel. Neben der Frage: War Shakespeare wirklich Shakespeare? treibt seine Anhänger die Tatsache um, dass der Elisabethaner viele seiner Stücke in Italien angesiedelt hat, ohne das Land belegbar bereist zu haben. Sind Shakepeares frappierende Italienkenntisse, die er in "Romeo und Julia", "Der Kaufmann von Venedig", "Ende gut, alles gut" und vielen anderen Stücken durch präzise Ortsangaben beweist, eigener Anschauung oder reiner Imagination zu verdanken? War er selbst in Italien oder kannte er das Land nur aus der damals boomenden Reiseliteratur und aus Gesprächen in Londoner Tavernen? Und welche Rolle spielen diese Fragen für das Verständnis der einzelnen Stücke und des Shakespearschen Kosmos' allgemein?


VOM HIMMEL AUF DIE ERDE GEWORFEN
Die Memoiren der jüdischen Kauffrau Glückel von Hameln

Glikl bas Judah Leib, auch Glückel von Hameln genannt, wurde 1646 in Hamburg als Tochter eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns geboren. Nach dem Tode ihres Mannes Chaijm, mit dem sie 12 Kinder hat, führt Glückel dessen Geschäfte weiter. Sie kauft und verkauft Edelsteine, Gold und Tuchwaren und unternimmt beschwerliche und gefahrvolle Reisen. Und sie beginnt, ihr Leben aufzuschreiben: als Vermächtnis an ihre Nachkommen und als Ablenkung von der Melancholie, die sie im Witwenstand befällt. Wir erfahren in Glückels Lebensgeschichte - der ersten bekannten Autobiografie einer deutschen Frau überhaupt! - von jüdischen Familienfesten, vom Zusammenleben von Juden und Christen, von der Verfolgung der Juden, von der Bedrohung durch die Pest und anderen Gefährdungen des damaligen Lebens. - Das bedeutende kulturhistorische Dokument verbindet eine persönliche Lebensgeschichte mit spiritueller Selbsterforschung und religiöser Reflexion. Im Jüdischen Museum in Berlin repräsentiert Glückels Leben die Abteilung "Jüdisches Leben im 17. Jahrhundert".


SCHULE DES HERZENS
Zum 200. Geburtstag von "Grimms Märchen"

Wer kennt ihn nicht, den zu leichthin gesagten Satz: Erzähl keine Märchen! Denn die Märchenwelt ist zwar nicht wirklich, aber wesentlich – also im Kern wahr. Märchen bewahren uralte und bis in die heutige Zeit wirkende Sinn-Bilder. Sie verweisen auf grundsätzliche Situationen und Konflikte im menschlichen Leben. Nur deshalb werden sie von Generation zu Generation weiter erzählt. Beschäftigen wir uns mit Märchen, betreten wir den Königsweg zur eigenen Geschichte. - Im Jahr 1812 erschienen die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm zum ersten Mal. Anlässlich des 200. Geburtstags dieses in aller Welt berühmten Buchs nimmt Sabine Göttel ihre Zuhörer mit in die wunderbare Welt der Volksmärchen. Sie liest eine Auswahl Grimmscher Märchen und deutet sie anschließend aus ethnologischer und psychologischer Sicht.


GROSSMEISTER DER TOLERANZ
"West-östlicher Divan" - Goethes Beitrag zur interkulturellen Verständigung

Goethe war siebzig Jahre alt, als er 1819 seine Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" abschloss. Indem er sich auf eine geistige Reise in die Welt des Orients begab, wendete er sich zugleich ab von dem in der Folge der Napoleonischen Kriege zerstörten Europa. Offenheit für das Fremde und andere, Freundschaft, Austausch und Geselligkeit sind die Zentren dieser zutiefst dialogischen Dichtung, die - angeregt durch Goethes Begegnung mit Marianne von Willemer - auch die Themenbereiche Alter und Verjüngung streift. Nicht zuletzt ist der "Divan" ein Buch über die spielerische Natur des Dichtens. - "Der "Divan" ist ein Weltbuch, ein Glücksfall der literarischen Globalisierung und des wohlwollenden Kulturenvergleichs, der auf der tieferen Einsicht der gemeinsamen universellen menschlichen Wurzeln beruht" (Thomas Lehr).


TENDENZIELL KRIMINELL!
Verbrecher und Verbrechen aus Hannover - musikalisch
aufpoliert


"tendenziell kriminell" verbindet Episoden aus der Geschichte der Region Hannover und bekannte Krimimelodien zu einem aufregenden literarisch-musikalischen Abend: Krimigenuss und ungewöhnlicher Geschichtsunterricht für alle, die Unterhaltung auf hohem Niveau lieben – und sich dabei auch noch ein bisschen gruseln wollen…
Die Aufführung setzt auf Kernzenbeleuchtung, lebt vom Geist des Ortes und macht die Zuschauer auf den Zauber vieler bekannter und unbekannter Plätze in ihrer unmittelbaren Umgebung aufmerksam. Musikalisch begleitet werden die Sprecherinnen Elke Reissert und Sabine Göttel vom Trio FeelHarmonica, das bekannte Filmmusiken und Titelsongs aus " Derrick", "Der Kommissar", "Tatort" etc. beisteuert.


DER TUGENDHAFTE HUND
und andere Balladen aus drei Jahrhunderten

"Ein Pudel, der mit gutem Fug'/Den schönen Namen Brutus trug,/War viel berühmt im ganzen Land/Ob seiner Tugend und seinem Verstand" – so beginnt Heinrich Heines Ballade "Der tugendhafte Hund". - Von traurigen Königen, lockenden Nixen, mutigen Tauchern, hinterlistigen Kreaturen und verständigen Tieren, vom Zorn des Menschen und von der Rache der Götter erzählen die unsterblichen Erzählgedichte von Heine, Busch, Morgenstern, Kästner und Co. Bittersüß und böse, ernst und heiter, getragen vom Rhythmus des Verses und der Melodie der Reime, beflügeln sie seit Alters her die Phantasie von Kindern und Erwachsenen - frei nach dem Motto: Fast wie im richtigen Leben ...


WO BLEIBT DENN DAS POSITIVE?
Erich Kästner(1899-1974)

"Erich Kästner hat zwei große schriftstellerische Möglichkeiten", schrieb der Theaterkritiker Friedrich Luft. "Seine scharfe, seine satirische, seine krasse Seite wendet er den Erwachsenen zu. Ihnen schlägt er auf die Finger, dass es schmerzt, während es wohltut. Ihnen predigt er Vernunft, und er tut es mit aller Unbedingtheit dessen, der seine Zeitgenossen kennt, durchschaut und trotzdem hofft, sie zur Räson bringen zu können. Seine "rosa" Bücher gehören den Kindern. Am Frühprodukt traut er dem Menschen noch alle Vernünftigkeit zu." – An diesem Abend mit Musik können nicht nur diejenigen, denen Klassiker wie Emil und die Detektive, Das fliegende Klassenzimmer oder Das doppelte Lottchen schon in der Kindheit unvergessliche Stunden bereiteten, einen der wichtigsten und unterhaltsamsten Autoren des 20. Jahrhunderts neu kennen lernen.


GOLDENES HERZ UND EISERNE SCHNAUZE
Kurt Tucholsky (1890-1935)

Dr. jur. Kurt Tucholsky – einer der meist gelesenen Autoren der Weimarer Republik – war eine schillernde Persönlichkeit mit vielen Beruf(ung)en. Unter Pseudonymen wie Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser schrieb der engagierte Journalist und zeitweilige Mitherausgeber der "Weltbühne" unermüdlich gegen Machtmissbrauch und Militarismus an; als Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romancier und Lyriker stand er in der Tradition Heinrich Heines. Über sich selbst sagte der nach wie vor heftig umstrittene Demokrat und Pazifist ("Soldaten sind Mörder") sarkastisch, er habe Erfolg, aber keinerlei Wirkung. Letzterem kann man getrost widersprechen: Geliebt und verehrt wird er bis heute.


MAN SIEHT NUR MIT DEM HERZEN GUT
Antoine de Saint-Exupery (1900-1944)

Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller und Berufspilot, war schon zu seinen Lebzeiten ein anerkannter und erfolgreicher Autor. In seiner weltberühmten Parabel Der kleine Prinz begegnet ein Flieger nach einer Bruchlandung einem vom Himmel gefallenen goldhaarigen Prinzen, der ihn zum Leben auf der Erde befragt. Obwohl der Autor die Erzählung für Kinder geschrieben hatte, wurde sie mit ihrer philosophischen Betrachtung der Welt auch bei Erwachsenen beliebt ("Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."). Saint-Exupéry brach am 31. Juli 1944 zu einem Fliegereinsatz auf, von dem er nie zurückkehrte. Erst 2008 wurden die genaueren Umstände seines bis dahin mysteriösen Todes bekannt. – In ihrem Porträt würdigt Sabine Göttel neben dem Kleinen Prinzen auch die romanartigen Erlebnisreportagen und Reflexionen Saint-Exupérys, wie Südkurier, Nachtflug, Wind, Sand und Sterne und Flug nach Arras.


ES KRIBBELT UND WIBBELT WEITER
Theodor Fontane und seine Zeit (1819-1898)

Als Schöpfer so berühmter Romanfiguren wie "Effi Briest" oder "Frau Jenny Treibel" ist Theodor Fontane vielen ein Begriff. Doch ist er auch als Lyriker und Reiseschriftsteller, als Journalist und Satiriker des Ehelebens bekannt? Auch in seinen Gedichten, Reisefeuilletons und Theaterkritiken kritisiert der unruhige Geist und schwankende Demokrat Ellbogenmentalität und Großspurigkeit seiner Zeit und ist heute aktueller denn je. - Sabine Göttel gibt einen kurzweiligen Einblick in Leben und Werk Theodor Fontanes; dabei dürfen Balladen wie "Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" und "Fritz Katzfuß" natürlich nicht fehlen.


ICH WEIß NICHT WAS SOLL ES BEDEUTEN
Heinrich Heine – Romantiker wider Willen (1797-1856)

Heinrich Heine war und ist bis heute ein unbequemer Dichter. Bereits zu seinen Lebzeiten war er ein Ereignis von europäischem Rang. Die Franzosen bewunderten seinen unerschrockenen Kampf gegen Vorurteile, Herzensträgheit und Denkfaulheit. Die Deutschen aber betrachteten ihn zeitlebens als Ärgernis. Obwohl das Lied von der "Loreley" zum deutschen Kulturgut gehört, ist Heines Werk noch immer eher unbekannt. Die Lesung begibt sich auf einen Streifzug durch Persönlichkeit und Werk dieses außergewöhnlichen Dichters.


NOCH GLAUBST DU AN GLÜCK?
Leben und Werk des Heinrich von Kleist (1777-1811)

Heinrich von Kleist, dem wir so bedeutende Werke wie "Der zerbrochene Krug" oder "Die Marquise von O." verdanken, war zeitlebens ein erfolgloser Schriftsteller und unglücklicher Außenseiter. Die ungeliebte Offizierslaufbahn brach er ab, um sich der Bildung seiner Persönlichkeit zu widmen. Sein Ziel war der vernunftgeleitete, denkende Mensch; frei und mündig genug, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ein Ideal, an dem er selbst zerbrach. 1811 nahm sich Kleist zusammen mit seiner Vertrauten Henriette Vogel am Wannsee das Leben.


ICH BIN ERWACHT IN EINEM KERKER…
Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898)

Alle kennen "Sissi" – doch wer kennt Elisabeth? Jenseits aller Klischees über Wiener Walzerseligkeit und k. u. k. - Idylle prägten Einsamkeit und Frustrationen das Leben der legendären Kaiserin von Österreich. Was die wenigsten wissen: Elisabeth war auch eine leidenschaftliche Poetin und glühende Verehrerin Heinrich Heines. In zahlreichen Gedichten, die als das poetische Tagebuch ihres rastlosen Lebens gelesen werden können, schrieb sie sich ab 1885 heimlich ihre Verzweiflung über das Leben am Wiener Hof und die aristokratische Gesellschaft von der Seele. Schonungslos kritisierte sie die ihrer Meinung nach überholte Staatsform der Monarchie. - Sabine Göttel zeichnet ein umfassendes Porträt der historischen "Sissi", die 1898 in Genf einem Attentat zum Opfer fiel.


GESCHICHTEN VOM LEBEN
Autobiografien schreibender Frauen aus drei Jahrhunderten

Fünf Frauen – davon vier Schriftstellerinnen – erzählen ihr Leben und (er)finden sich und ihre Geschichte neu. Sie blicken auf ein Leben zurück, das einerseits als Teil der Frauengeschichte historisch geworden ist, andererseits im Vorgang des Schreibens veränderbar, interpretierbar wird. Um Parallelen und Unterschiede zwischen Leben und Literatur also soll es in diesem Vortrag gehen; um Autorinnen, die in der hauptsächlich von Männern dominierten Literatur und Geschichte "Ich" sagen; um Brüche und Widersprüche, die sich daraus für das Selbstbild der Frauen ergeben und um das Vorurteil, dass Texte von Frauen notwendigerweise "autobiografisch" und daher "authentisch" zu sein haben. Und natürlich um eine Fülle von Geschichten und Anekdoten über Unterwerfung und Emanzipation bei Elisabeth Milow, Johanna Schopenhauer, Fanny Lewald, Gabriele Reuter und Ricarda Huch.


IM SCHATTEN DES GENIES?
Marieluise Fleißer und Bertolt Brecht oder: Wie sich Kunst-Frauen in Männerkünsten bewegen

Wie lebt und arbeitet es sich als aufstrebende Dichterin neben einem (noch) berühmteren Mann? Wird man Mitarbeiterin in seiner "Dichtfabrik"? Oder ringt man um ein eigenständiges künstlerisches Profil und muss sich schweren Herzens zwischen Liebe und Berufung entscheiden? - Die Erzählerin und Dramatikerin Marieluise Fleißer, deren Todestag sich am 1.2.2004 zum 30. Mal jährte, hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Immer wieder reflektiert sie in ihrem außergewöhnlichen und zur klassischen Moderne gehörenden Werk ihren Weg neben Bertolt Brecht in die lockenden "Fröste der Freiheit". - Sabine Göttel hat über Marieluise Fleißer promoviert und ist Mitglied der Marieluise-Fleißer-Gesellschaft Ingolstadt.


NICHT DAHEIM UND DOCH ZUHAUSE
Else Lasker-Schülers Traum vom brüderlichen Nahen Osten

Die Lesung präsentiert Ausschnitte aus Werken der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler, die 1945 völlig verarmt im Exil in Jerusalem starb. - Nachdem die Theaterstücke dieser – nach Gottfried Benn – "bedeutendsten Dichterin deutscher Zunge" in ihrem Heimatland Deutschland nicht mehr aufgeführt werden durften, wanderte Else Lasker-Schüler 1933 zunächst in die Schweiz und später nach Palästina aus. Von diesem bewegenden Exil-Schicksal zeugen vor allem ihr letzter und schönster Gedichtband "Mein blaues Klavier" sowie der Prosaband "Das Hebräerland". Dort erscheint die neue Heimat als Traum vom Heiligen Land, in dem Juden und Araber in paradiesischer Brüderlichkeit leben.


VON EINEM LEBEN UND VIELEN TODEN
Porträt der Dichterin Inge Müller

Lange Zeit war Inge Müller im Westen – wenn überhaupt – nur als Mitarbeiterin und Co-Autorin ihres berühmten Ehemannes Heiner Müller bekannt; dabei gibt es kaum Eindringlicheres als ihre Texte über Krieg und Nachkriegszeit. In Gedichten, Prosa und Tagebüchern hat Inge Müller bis zu ihrem Selbstmord 1966 vor allem das Kriegstrauma als Kreuzpunkt privater und öffentlicher Geschichte zur Sprache gebracht. – Die Lesung präsentiert einen Querschnitt durch das Werk Inge Müllers, ergänzt durch Originaldokumente aus ihrem Lebensumfeld.


UNTER EINEM GEWALTIG MILDTÄTIGEN HORIZONT
Die deutsch-sorbische Dichterin Roza Domascyna im Porträt

Roza Domascyna ist 1951 bei Kamenz geboren und lebt und arbeitet in Bautzen. Sie gehört zur slawischen Minderheit der Sorben, die seit Jahrhunderten im Osten Deutschlands ansässig sind. Gefördert und verlegt von Gerhard Wolf (Ehemann von Christa Wolf) erschien 1991 in Berlin ihr erstes Buch "Zaungucker" mit Lyrik und Prosa in deutscher Sprache; mehrere ebenfalls viel beachtete Veröffentlichungen in Deutsch und Sorbisch folgten. In diesen Texten verschmelzen Reflexionen über die Zeit nach 1989, Klagen über die vom Tagebau bedrohte Landschaft der Lausitz und persönliche "Stacheln" zu einem unverwechselbaren poetischen Ton. Souverän und augenzwinkernd bedient sich Roza Domascyna der Sprach- und Bildtradition der Sorben, verweigert sich aber der üblichen Folklore. Sie hat bereits mehrere Literaturpreise erhalten.


TOTENTANZ
Gespräche, Gedichte und Geschichten zum Thema Tod

"Haben Sie keine Angst vor dem Tod?" wurde Marlene Dietrich einmal gefragt, und sie antwortete: "Naa. Man sollte Angst haben vor dem Leben." So sind denn auch Freund Hein, Gevatter Tod, Sensen- und Knochenmann oder Karlchen vertrauenerweckende Beinamen des Fährmanns - gerade in Zeiten des Krieges ständiger Begleiter der Lebenden. In dieser Lesung treten Texte von Bergman, Bloch, Brecht, Celan, Nietzsche und anderen in Dialog mit der bildkünstlerischen Annäherung an das Thema: Das Totentanz-Motiv ist seit dem Mittelalter bekannt und fand in den Bildzyklen von HAP Grieshaber und Horst Janssen seine klassisch-moderne Ausprägung.


AUF BEIZEITEN MORGENS!
Über den Kult der Arbeit und die Lust an der Muße

Arbeits-Los: War Arbeit zu Goethes und Schillers Zeiten noch "des Bürgers Zierde", so wird sie heute mehr und mehr als Voraussetzung physischer und psychischer Gesundheit begriffen. Wer bewusst nicht arbeitet und müßiggeht, so der Tenor, missachtet nicht nur jede gesellschaftliche Verabredung, sondern macht sich und andere krank. Erwerbslos und glücklich zu sein, stellt im Endzeitalter der Arbeitsgesellschaft ("Hartz IV") nichts weniger als eine Provokation dar. Aber es gibt auch andere Sichtweisen. Schaut man sich in der Literatur zum Thema Kult der Arbeit und Lust an der Muße um, stößt man auf Menschen, die "eine großartige Lebenskunst entwickelten. Sie haben jene – den arbeitenden, ins Joch gespannten Menschen unbekannte – Gabe, sich in der Muße zu entfalten. Sie haben ein Talent zur Freundschaft, zur Liebe, zu einem humanen Leben. In anderen verkümmert diese Fähigkeit" (Anais Nin).


KEIN ORT. ÜBERALL
Anton Tschechows "Die Insel Sachalin" und andere Aufzeichnungen aus Straflagern

Anton Tschechow (100ster Todestag am 2. Juli 2004) war nicht nur ein genialer Schriftsteller, sondern auch ein engagierter Arzt und Ethnologe. Er arbeitete in der lokalen bürgerlichen Selbstverwaltung, spendete Geld für den Bau von Schulen und behandelte bedürftige Kranke kostenlos. Zu den beeindruckendsten Dokumenten seines sozialen Engagements gehören die Berichte aus der ostsibirischen Straf- und Verbannungsinsel Sachalin, die Tschechow von 1890-1891 bereiste. Diese bewegenden Texte über die Existenzbedingungen der Verbannten und ihrer Familien bewirkten 1892 eine Humanisierung des Strafvollzugs in Russland. – Um auf die Kontinuität menschenunwürdiger Verhältnisse in Gefängnissen und Straflagern überall auf der Welt hinzuweisen (Irak, Guantanamo,...), werden Ausschnitte aus diesem einzigartigen Dokument vorgestellt und durch aktuelle Berichte der Menschenrechtsorganisation amnesty international ergänzt.


1968 – HOMMAGE AN DIE REVOLTE
Texte, Meinungen und Analysen zu einer aufregenden Epoche

Die Republik in Aufruhr: Couragiert und respektlos
brachten Vietnamgegner und Außerparlamentarische Opposition in den 60er Jahren frischen Wind indie satte, selbstzufriedene deutsche Nachkriegsgesellschaft. Die Utopie einer freien und solidarischen Gemeinschaft sollte durch ein Netzwerk internationaler Beziehungen und mit Hilfe des ‚langen und gewaltlosen Marsches durch die Institutionen’ Realität werden. Frauenbewegung, Bürgerinitiativen, Mitbestimmungsmodelle, Die Grünen, Greenpeace und Wohngemeinschaften: Die deutsche Gesellschaft profitiert bis heute von der Experimentierfreude und vom Aufbruchswillen einer mitredelustigen, mündigen Studentengeneration.


MYTHOS RAF?
Dokumente und Analysen zu einem deutschen Phänomen

Tödliche Attentate auf Buback, Ponto und Schleyer. Entführung und Befreiung der Landshut in Mogadischu. Tod von RAF-Mitgliedern der ersten Generation in Stammheim. Hungerstreiks. Abhörskandale: Deutschland im Herbst 1977. Die Ereignisse dieses Jahres haben Angst, Hass und Aggressionen geschürt. Sie provozierten Terror und Gegenterror. Kontrovers geführte Diskussionen über eine geplante RAF-Ausstellung in Berlin, die Stilisierung von Top-Terroristen zu Pop-Ikonen zeigen: Bis heute ist dieses Kapitel der bundesdeutschen Nachtgeschichte nicht bewältigt. Ein Anlass, zurückzuschauen, zu erinnern. Und über den Umgang mit Gewalt, über Bedingungen und Grenzen des zivilen Ungehorsams nachzudenken.


BRETTER, DIE DIE WELT BEDEUTEN
Vergnügliches und Überraschendes über das Leben auf, hinter und vor der Bühne

Die Liebe zum Theater ist eine weit verbreitete Leidenschaft. Oft wurde sie bereits in Kindertagen geweckt, als wir uns beim Besuch des Weihnachtsmärchens zum ersten Mal staunend der Magie der Bühne hingaben. Ihr Zauber verlässt uns auch dann nicht, wenn wir als Erwachsene erfahren, dass das Leben im Theater harte Arbeit bedeutet. – Johann Wolfgang Goethe, Marieluise Fleißer, Karl Valentin, Ephraim Kishon und andere erzählen von Menschen, die im und für das Theater leben. Sie gewähren uns einen vergnüglich Blick hinter die Kulissen und treffen Zuschauer, die kenntnisreich und amüsant von ihrer Leidenschaft berichten.


ADAMS APFEL

Texte und Musik rund um die Frucht der Verführung

Äpfel sind der Deutschen liebstes Obst, und der Apfelkuchen ist und bleibt ihr Lieblingskuchen. Anders gesagt: Der Apfel ist in aller Munde. Man denke an so bekannte Sinnsprüche wie "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm" oder "Da musst du eben in den sauren Apfel beißen". Auch der "Paradiesapfel", der "Adamsapfel", der "Reichsapfel" und der "Zankapfel" dürften hinlänglich bekannt sein. Tatsache ist, dass sich um den Apfel viele Geschichten, Mythen und Legenden ranken. Vom Apfel als Frucht der Verführung im Paradiesgarten bis zur todbringenden Apfelhälfte im Märchen begegnet uns das Obst in wechselnden Zusammenhängen quer durch die Literatur- und Kulturgeschichte. - Eine literarisch-musikalische Lobpreisung des Apfels im Umkreis des Erntedankfestes - für all diejenigen, die Äpfel gerne mal mit Birnen verwechseln.


ES WEIHNACHTET SEHR!

Heiter-Besinnliches zum Advent. Mit Texten von Wolfdietrich Schnurre, Erich Kästner u.a.

Die Weihnachtszeit ist die besinnlichste Zeit des Jahres. Für nicht wenige Menschen aber geht der eigentliche Sinn des Festes im Kaufstress der Fußgängerzonen oder am überfüllten Skilift verloren. Gut, dass es Schriftstellerinnen und Schriftsteller gibt, die den Zauber der Adventszeit in ihren Texten bewahrt haben. Bei Marieluise Fleißer etwa tauchen die Vorbereitungen zum Fest aus der geheimnisvollen Welt ihrer Kindheit in Bayern auf; Erich Kästner trifft am Heiligabend einsame Menschen im Kaffeehaus; Wolfdietrich Schnurre berichtet von einer stacheligen Leihgabe und die Hannoveranerin Julie Schrader will in Weihnachten sogar eine Geist und Sinne berauschende Komponente entdeckt haben... Sabine Göttel präsentiert ergreifende, sinnliche und erheiternde Geschichten rund um das Fest der Liebe, die sogar eingeschworene Weihnachtsmuffel eines Besseren belehren dürften.


ES IST EIN ROSS ENTSPRUNGEN

Weihnachten mit Julie Schrader

Wer war Julie Schrader? Gab es sie wirklich, die lebenslustige Dame mit Hang zur Poesie und zur wilhelminischen Männerwelt? Oder ist sie die Erfindung eines wortmächtigen Großneffen, der die Schraderschen Schreibschubladen öffnete und das dort Entdeckte frech aufhübschte? Einerlei: Die vergnüglichen und nicht immer jugendfreien Poeme, Briefe und Erzählungen des sog. „welfischen Schwans“ aus Hannover (1881-1939) bringen die Fans seit dunnemals zum Lachweinen. Hören Sie Julie Schrader und freuen Sie sich auf ein verschmocktes, tragikomisches Weihnachtsfest mit Schmunzelgarantie!

 

 

 
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